Adios Kreißsaalarbeit, hello Freiberuflichkeit — again.

Was ist da los? Fragen sich wohl einige. „War ja klar, dass es dir im Kreißsaal nicht taugt“ – sagen die anderen. Doch so ist es gar nicht. Aber was ist denn dann los?

Ich hab` im Jahr 2014 mein Examen zur Hebamme gemacht. Arbeitete anschließend geburtshilflich freiberuflich in Rothenburg und startete gleichzeitig mit der Begleitung Schwangerer, mit Kursen vor und nach der Geburt und betreute Wochenbetten.

2016 kam mein zweites Kind auf die Welt und seit damals arbeitete ich rein freiberuflich OHNE Geburtshilfe. Familien umfangend während der Schwangerschaft und weit ins erste Lebensjahr zu begleiten war für mich selbstverständlich. Ich liebte diese Arbeit sehr, konnte flexibel arbeiten, war meine eigene Chefin. Auch nach unserem dritten Kind arbeitete ich weiter so.

Mit der Schwangerschaft unseres vierten Kindes beziehungsweise kurz vor ihrer Geburt ging ich in Elternzeit und war mir nicht mehr sicher, ob ich wieder zurückkehren möchte in diese Arbeit. Wie soll das stemmbar sein mit vier Kindern?

Als die jüngste ein Jahr alt war – also im Mai 2024 – startete ich als ANGESTELLTE Hebamme im Kreißsaal in Ansbach. Endlich mal wieder geburtshilflich arbeiten, darauf freute ich mich sehr und – Spoiler – bereute es nie.

Es gibt Gründe, weshalb ich oft halb aus Spaß, halb aus Wissen sagte, dass ich schlicht nicht angestellt arbeiten kann, da ich mich selbst nie als Angestellte hätte haben wollen, wenn ich Arbeitgeberin wäre… zu viel Rebellin. Zu viel hinterfragend. Zu wenig unterordnend, wenn ihr versteht, was ich meine,… (alle die mich kennen, wissen wovon ich rede ;))

Nunja. Mensch wird älter und ruhiger. Die Arbeit im Kreißsaal verband für mich alles, was es zu der Zeit brauchte: Strukturierte Arbeitszeiten ohne Rufbereitschaft. Ein Gehalt, das am Ende des Monats auf meinem Konto landete, ohne dass ich mich mit dem mir so verhassten Bürokram herumschlagen musste. Eine Art neue Herausforderung wieder geburtshilflich arbeiten zu können. In einem Team. Mit Studentinnen.

Und siehe da: Ich fand mich gut ein, hatte Spaß an der Arbeit, hatte Spaß mit den Kolleginnen. Peu à peu steigerte ich die Anzahl der Dienste im Kreißsaal. Der Preis zu Hause? Nicht ohne, muss ich sagen. Ohne meine Mum? Unmöglich! Die Arbeitszeiten meines Mannes können nicht meine Dienstzeiten kompensieren. Meine Mum stemmte soooooo viel.

Unsere Kids? Kamen mal besser, mal schlechter mit meinen langen Abwesenheiten an Diensttagen zurecht. Es war (und ist noch, denn noch arbeite ich ja im Kreißsaal) anstrengend auch für mich. Physisch. Aber vor allem auch emotional. Seit November steigerte ich meine Dienstanzahl auf 8-9 Dienste pro Monat. Jeder Dienst hat (mind.) 12 Stunden. Manchmal etwas mehr. Plus Anfahrt und Heimweg. Da bleibt trotz guter Vorbereitung und Hilfe viel zu Hause liegen.

Einer der Gründe ist also ganz klar auch, dass die Belastung für meine Familie schon wirklich hoch war (und noch ist). Weniger arbeiten? Nunja. Das Leben kostet. Ihr wisst es alle. Ich brauche zwar keine Maniküre und neue Klamotten. Rauche nicht. Brauche kein Essengehen in fancy Restaurants. Keine Konzertbesuche oder teuren Hobbies (und nur damit es gesagt ist: wenn eines oder mehreres davon wichtig für dich ist, so ist das VÖLLIG fein – ok außer dem Rauchen vielleicht ;))

Aber unser Haus kostet, vier Kinder kosten, unsere Schulwahl für sie kostet und ja verdammt ich will in den Urlaub. Jedes Jahr. Bestenfalls zwei Mal. Und das ist fein so. Dafür geh ich gern arbeiten. Und by the way arbeite ich tatsächlich gern, denn ich finde unseren Job verdammt wichtig und er gibt auch mir auf mehreren Ebenen so viel.

Neben der Tatsache, dass meine Familie durch die Dienste gut strapaziert war, kamen aber noch weitere Gründe dazu: 2025 trat ein neuer Hebammenhilfevertrag in Kraft. Dieser regelt grob gesagt, wie wir Hebammen bezahlt werden. Ich selbst habe nach meinem BachelorStudium die AUSBILDUNG zur Hebamme gemacht. Seit einiger Zeit wurde dies umgestellt auf ein STUDIUM der Hebammenwissenschaft.

Seit dem neuen Hebammenhilfevertrag ist nicht mehr klar geregelt, ob ausgebildete Hebammen und studierte Hebammen gleich viel verdienen, wenn sie angestellt tätig sind. In dem Kreißsaal, in dem ich arbeite, hätte ich eine Zusatzfortbildung absolvieren sollen, um gleich eingruppiert zu werden wie studierte Kolleginnen. Dies betrifft natürlich mehrere Kolleginnen bei uns.

Ich persönlich habe durch mein Studium vor der Hebammenausbildung bereits Inhalte der Weiterbildungsmaßnahme absolviert – so sehe ich das, so sieht es eine weitere Fachperson. Doch nicht unsere Klinikleitung. Und so prallte meine Sturheit auf Sturheit der Geschäftsführung. Eigentlich ist Sturheit das falsche Wort. Es geht mir nicht ums stur bleiben. Ich sehe keinen Grund, weshalb ich weniger erhalten sollte als das, das mir zusteht. Ich bin es mir wert zu sagen: „nein. Unter dieser Bedingung bin ich nicht weiter an Board.“

Und ja, ich mag die Arbeit im Kreißsaal sehr. Empfinde meine Arbeit hier als Bereicherung für die Frauen, die ich hier begleite und tatsächlich auch für mich persönlich. Natürlich gibt es immer mal wieder Geburten, die ich begleite, welche weniger zufriedenstellend verlaufen – so ist das nun mal eben in der Geburtshilfe. Auch wenn alle ihr bestmögliches tun, ist nicht jede Geburt filmreich. Sondern auch mal zehrend. Doch das ist nicht so schlimm.

Gleichzeitig vermisse ich einen Teil des Hebammendaseins in der reinen Kreißsaaltätigkeit: Die Kontinuität. Eine Familie beim buchstäblichen Wachsen zu begleiten ist immer besonders. Das lässt sich nur durch die Freiberuflichkeit erreichen: Häufig schon in ganz frühen Wochen der erste Kontakt, über die Schwangerschaft hinweg zunehmend und vertrauter werdend, dann ein Wochenbett begleiten, um nach einigen Monaten ein „na dann vielleicht bis in ein paar wenigen Jahren“ zu flüstern – das ist schon besonders.

Ok ok. Auch in der Freiberuflichkeit gibt es „Schattenseiten“. Im Plural. Doch alles in allem gesehen, freue ich mich schon sehr darauf, wieder rein meine eigene Chefin zu sein. Natürlich war ich auch im Kreißsaal meiner teils rebellischen Art treu und ließ mich nicht verbiegen. Was manchmal belächelt wurde, selten mit Augenrollen quittiert wurde und zumeist anerkennend angenommen wurde. Doch ja, auch mich kostet dies Kraft.

Ob ich in der reinen Freiberuflichkeit nun wieder mehr „zur Ruhe“ komme, wird sich zeigen. Es ist jedenfalls Zeit für dieses neue alte Kapitel. Let`s go!

PS: Danke an alle Kolleg*innen – Hebammen wir Ärzt*innen – die ich in den letzten zwei Jahren kennenlernen durfte. Wir sehen uns wieder!